„Vorausschauend führen“ heißt im Kern: der Situation einen Schritt voraus sein, statt nur zu reagieren. Angehörige – und Kinder ganz besonders – fürchten das Unbekannte meist mehr als die Wirklichkeit. Wer sie behutsam auf das vorbereitet, was kommt, nimmt Angst, gibt Halt und schenkt der verbleibenden Zeit Bewusstheit. Das ist der rote Faden durch alles Folgende.
Mit den erwachsenen Angehörigen
Tragend ist eine ehrliche, klare Sprache. Beschönigungen und vage Andeutungen erzeugen Verwirrung und Misstrauen; das ruhige, deutliche Benennen, dass ein Mensch im Sterben liegt, macht handlungsfähig. Wichtig ist, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen: Was verstehen sie bereits, was möchten sie wissen? In der Ausnahmesituation behält kaum jemand Informationen – deshalb Wesentliches gelassen wiederholen. Und: Angehörigen konkrete Dinge an die Hand geben, die sie tun können – da sein, die Hand halten, sprechen, kleine Handreichungen. Das durchbricht das lähmende Gefühl der Hilflosigkeit. Raum für Ambivalenz, Erschöpfung und auch für alte familiäre Konflikte gehört ebenso dazu; Familien bringen ihre ganze Geschichte mit ans Bett.
Auf die Sterbephase vorbereiten
Vieles wirkt beängstigend, wenn man es nicht einordnen kann. Erklären Sie vorab, was normal ist: dass Essen und Trinken nachlassen (kein „Verhungern“, sondern Teil des Prozesses), dass sich die Atmung verändert (Rasselatmung oder unregelmäßige Atempausen belasten oft die Beobachtenden mehr als den sterbenden Menschen), dass Rückzug, vermehrter Schlaf und nachlassende Ansprechbarkeit dazugehören, dass Hände und Füße kühl und marmoriert werden können, manchmal auch Unruhe auftritt. Der Hinweis, dass das Hören vermutlich am längsten erhalten bleibt, entlastet spürbar – Zuspruch lohnt sich bis zuletzt.
Kinder einbeziehen
Der häufigste Fehler ist, Kinder schützen zu wollen, indem man sie ausschließt. Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt; Schweigen füllen sie mit Fantasien, die oft schlimmer sind als die Wahrheit. Entscheidend ist eine altersgerechte, aber klare Sprache – also „sterben“ und „tot“ statt „einschlafen“ oder „verreisen“, die Kinder wörtlich nehmen und die neue Ängste schaffen können.
Den Abschied mit Kindern vorbereiten, z. B. wie der Mensch aussieht, welche Geräte oder Geräusche da sind. Fragen ehrlich und schlicht beantworten – „Ich weiß es nicht“ ist eine gute Antwort. Routinen und die Zusicherung, dass für das Kind gesorgt bleibt, geben Sicherheit. Und: Kinder trauern „in Pfützen“ – sie springen zwischen Spielen und Weinen hin und her. Das ist gesund, kein Zeichen von Kälte.