Rücksicht e.V.für Würde und Erinnerung

Guido Kohler

Lebenswerk

Die Initiativen von Guido Kohler (aus den Medien)

Vom Krankenbett bis auf die bundespolitische Bühne: Das Wirken von Guido Kohler (Jahrgang 1949) im Raum Bühl und weit darüber hinaus ist ein beeindruckendes Zeugnis für gelebte Nächstenliebe, professionelle Pflege und unermüdlichen gesundheitspolitischen Kampfgeist.

Für seinen jahrzehntelangen Einsatz in der Hospiz- und Palliativarbeit wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sein Lebensweg zeigt, wie aus persönlicher Betroffenheit und tiefer Praxiserfahrung eine Bewegung entstehen kann, die heute Antworten auf die drängendsten ethischen Fragen unserer Zeit gibt.

Die beruflichen Wurzeln und das regionale Lebenswerk: Pallium e.V.

Das Fundament für sein lebenslanges Engagement legte Guido Kohler im medizinisch-pflegerischen Sektor. Als langjähriger Pflegedienstleiter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) erlebte er tagtäglich die Lücken im damaligen Gesundheitssystem – insbesondere bei der Versorgung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase.

Um diesen Missstand zu beheben, gründete er im Jahr 2002 gemeinsam mit neun Mitstreitern den Verein Pallium e.V. Doch kurz nach der Gründung schlug das Schicksal unerbittlich zu: Kohler erkrankte selbst schwer. Anstatt sich zurückzuziehen, traf er eine tiefgreifende Entscheidung. Trotz eigener gesundheitlicher Krisen widmete er sich intensiv der palliativen Sterbebegleitung. Sein allererster Patient litt an exakt derselben Krankheit im Endstadium wie er selbst.

Diese Grenzerfahrung prägte ihn zutiefst.

Im Laufe der folgenden zwei Jahrzehnte begleitete Kohler viele hunderte Menschen persönlich auf ihrem letzten Weg und verlor dabei, wie er selbst sagt, die eigene Angst vor dem Tod. Unter seiner Führung als Vorsitzender wuchs Pallium massiv und reformierte die Hospizlandschaft der gesamten Region. Das Einzugsgebiet erstreckt sich heute von Iffezheim und dem Murgtal über Baden-Baden, Bühl und Achern bis nach Ottenhöfen und Renchen. Kohler trieb den Aufbau hochprofessioneller Strukturen in den Bereichen Palliative Care, Erwachsenentrauer sowie der Kinder-, Familien- und Sternenkindtrauer voran. Nach über 22 Jahren an der Spitze übergab er im April 2024 den Vorsitz in jüngere Hände, um sich neuen, drängenden Aufgaben zu widmen.

Der Kampf gegen die Einsamkeit und das Projekt „Rücksicht e.V.“

Bereits ab 2022 richtete Kohler seinen Fokus verstärkt auf eine weitere gesellschaftliche Wunde: die Vereinsamung älterer, isolierter Menschen. Er initiierte ein Konzept für den Schutz von Alleinstehenden, das sich mittlerweile aus Eigentrieb der Betroffenen verselbstständigte.

Diese Erfahrung mündete schließlich in seiner Arbeit als Vorsitzender von Rücksicht e.V. (für Würde & Erinnerung). Mit diesem Verein widmet er sich der hochaktuellen Debatte um die assistierte Selbsttötung. Kohlers feste Überzeugung, genährt aus über 30 Jahren Praxis: Ein assistierter Suizid wird fast immer dann überflüssig, wenn Betroffene und Angehörige die richtigen Alternativen kennen.

Da es im Internet an leicht zugänglichen, verlässlichen Informationen fehlt und Menschen in ihrer Verzweiflung im Netz oft zuerst auf kommerzielle Suiziddienste stoßen, baut Kohler aktuell mit einem Expertenteam die erste digitale Aufklärungsplattform aus der Praxis auf. Unterstützt von einem Team aus Palliativfachkräften, IT-Experten (darunter Thomas Kohler), der Administration (Nicole Hofmann), medizinrechtlichen Beratern und der Trauerexpertin Maria Kopf soll diese spendenfinanzierte Plattform bundesweit anonyme Orientierung, psychische Stütze und konkrete Hilfevermittlung bieten.

Sie räumt unter anderem mit dem folgenschweren Irrtum auf, dass Suizidhilfe-Organisationen bei fortgeschrittener Demenz helfen können – dort fehlt nämlich die rechtlich notwendige Einsichtsfähigkeit. Kohler zeigt stattdessen den Weg einer rechtzeitigen, präzisen Patientenverfügung auf, die den eigenen Willen vorab regelt.

Der Schritt in die Bundespolitik: Forderungen an den Gesetzgeber

Mit der Erfahrung von tausenden Stunden am Sterbebett tritt Guido Kohler heute als bundesweiter Mahner auf. Er fordert von der Politik ein vehementes Entgegenwirken gegen den rasant wachsenden Markt kommerzieller Suizidorganisationen und stellt dafür vier prägnante Kernforderungen:

  • Das gesetzliche Vakuum beenden: Seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Februar 2020 fehlt ein rechtlicher Rahmen. Die Politik darf das Thema nicht länger aussitzen oder den Suizid lediglich „verwalten“. Es braucht ein praxisnahes Gesetz, das den Ausbau gesellschaftlicher Suizidpräventionsstrukturen staatlich mitfinanziert.
  • Rechtssicherheit für Ärzte und Pflegekräfte: Viele Mediziner verweigern eine vorausschauende palliative Sedierung bei existenzieller Todesangst aus Angst vor juristischen Konsequenzen. Der Gesetzgeber muss unmissverständlich klarstellen, dass die kontinuierliche Sedierung eine legale, anerkannte ärztliche Maßnahme zur Leidenslinderung ist.
  • Förderung digitaler Rettungsinseln: Da das offizielle Hilfssystem digital oft unsichtbar ist, müssen staatliche Fördergelder in innovative, digitale Plattformen – wie die von Rücksicht e.V. – fließen. Nur so sind staatliche Hilfsangebote im Netz vor den Werbeangeboten der Suiziddienste sichtbar.
  • Das Recht auf „Würde in der Wahl“ stärken: Menschen wählen den assistierten Suizid oft aus Angst vor totalem Kontrollverlust in der Pflege oder bei fortschreitender Demenz. Die Autonomie muss durch die Stärkung von Patientenverfügungen und des Rechts auf passive Sterbehilfe (Behandlungs- und Versorgungsverzicht) absolut und rechtssicher geschützt werden – explizit auch bei Demenz. Jeder Mensch muss darauf vertrauen können, selbstbestimmt, schmerzfrei und in Würde hospizlich begleitet in den Tod hineinschlafen zu dürfen, ohne den Weg des freiwilligen Verhungerns und Verdurstens wählen zu müssen.

Vom DRK-Pfleger über den regionalen Weg als Palliativpionier bis hin zum digitalen Aufklärer und gesundheitspolitischen Reformer: Guido Kohlers Wirken verbindet seit über drei Jahrzehnten tiefe Menschlichkeit mit dem unerschütterlichen Mut, Tabuthemen anzusprechen und nachhaltige Strukturen für ein würdevolles Lebensende zu schaffen.

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